Neue Wege 2. Festival Grafisches Erzählen

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Neue Wege
2. Festival Grafisches Erzählen
Literaturbüro im Kunsttempel, 
Friedrich-Ebert-Straße 177, 34119 Kassel

Mittwoch, 14. bis Sonntag, 18. Januar 2015

Unter dem Titel „Neue Wege“ findet zum zweiten Mal das Festival des Grafischen Erzählens in Kassel statt. Organisiert wird es vom Literaturbüro Nordhessen mit dem Institut für Germanistik der Universität Kassel und der Kunsthochschule Kassel als Kooperationspartnern. Von Mittwoch, 14. bis Sonntag, 18. Januar 2015 werden aktuelle Tendenzen aus dem Bereich Graphic Novel und Comic vorgestellt.

Die Grafische Literatur hat in den vergangenen Jahren neue, inspirierende Wege eingeschlagen und dabei Themen und Formen des Mediums stark erweitert. Dazu zählen nicht nur biografische und autobiografische Erzählungen, sondern auch Comic-Reportagen. Beide Genres werden mit Vorträgen und Autorenlesungen zur Diskussion gestellt. Kein Film ohne vorab gezeichnetes Comic: Das gezeichnete Storyboard ist eine visuelle Umsetzung des Drehbuchs – auch dieser Aspekt wird mit Film- und Bildbeispielen thematisiert. Natürlich kommt auch der Humor-Comic zu seinem Recht. In diesem Zusammenhang wird der Auftritt des deutschen Comic-Urgesteins Gerhard Seyfried ein weiterer Festival-Höhepunkt sein. Zum Abschluss verwandelt sich der Kunsttempel in das Papier Café, wo Comics, Fanzines und Kunstkataloge von Studierenden der Kunsthochschule Kassel in Klein- und Kleinstauflagen zum Verkauf angeboten werden.

Eröffnet wird das Festival mit der Ausstellung des jungen Comic-Zeichners Lukas Kummer, der Vorarbeiten, Originalzeichnungen und Skizzen zu seinem Graphic-Novel-Debüt „Die Verwerfung“ zeigt und damit Einblicke in seine Arbeit gewährt.

Im laufenden Wintersemester gestalten Studierende am Institut für Germanistik im Rahmen eines vom Literaturbüro angebotenen Seminars den Internetauftritt des Festivals. Unter www.festival-geks.de können ab Mitte Dezember 2014 alle wichtigen Informationen im Internet abgerufen werden.

Das Programm 


Mittwoch, 14. Januar 2015‑ Festivaleröffnung

19 Uhr
Die Verwerfung
Festivaleröffnung mit Ausstellung und Vortrag von Lukas Kummer
Grußwort: Dorothee Rhiemeier (Kulturamtsleiterin der Stadt Kassel)
Lukas Kummer zeigt mit seiner Graphic Novel Die Verwerfungdas Grauen des 30jährigen Kriegs. Das Geschwisterpaar Krainer zieht 1646 westwärts durch das verwüstete Deutschland. Der Überlebenskampf führt die Soldatenkinder nicht nur an den Rand des Erträglichen, sondern zu einer Wahrheit, die nicht nur sie, sondern sogar die Sterne am Himmel zu zerrütten droht. Mit Vorarbeiten, Originalzeichnungen und Skizzen erlaubt die Ausstellung einen Einblick in die Werkstatt des Comic-Künstlers. Im Vortrag berichtet Kummer über Entstehung und Beweggründe.
Lukas Kummer wurde 1988 in Innsbruck geboren. Von 2007 bis 2014 studierte er Illustration und Comic an der Kunsthochschule Kassel. Dort ist er Meisterschüler bei Prof. Hendrik Dorgathen. Die Verwerfungist seine erste Graphic Novel. Seine Arbeiten wurden in diversen Fanzines und Anthologien veröffentlicht. 

Die Ausstellung ist während des Festivals täglich von 18.30 bis 22 Uhr geöffnet.

Donnerstag, 15. Januar 2015

19 Uhr
Die Wahrheit im Comic ist immer subjektiv
Andreas Platthaus über die Comic-Reportage
Die Comicreportage hat in den letzten Jahren erstaunliche Karriere gemacht, seit Joe Sacco sie neu erfand. Dabei scheint die zeichnungsbedingte Individualität dieser Gattung jedem journalistischen Anspruch auf Objektivität Hohn zu sprechen. Doch gerade diese extreme Zurschaustellung des eigenen Blicks macht den Reiz aus.
Andreas Platthaus (Jg. 1966) geboren in Aachen, Studium der Rhetorik, Philosophie, Geschichte und Betriebswirtschaftslehre in Aachen und Tübingen, seit 1997 Redakteur im Feuilleton der F.A.Z. Zahlreiche Publikationen zu Ästhetik und Geschichte des Comics.

20 Uhr: Pause

20.30 Uhr
Im Land der Frühaufsteher
Paula Bulling stellt ihre Comic-Reportage vor
Sachsen-Anhalt, das „Land der Frühaufsteher“, steht in dem Ruf, in Flüchtlingsfragen die die Gesetze am restriktivsten und unflexibelsten auszulegen. Paula Bulling hat über mehrere Jahre die dortige Flüchtlingspolitik dokumentiert und erzählt vom Leben in Asylbewerberheimen, alltäglichem Rassismus, dem Tod eines Flüchtlings wie auch von der Suche nach einer angemessenen erzählerischen Haltung.
Paula Bulling (Jg. 1986) wurde in Berlin geboren. Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein (Keramik und Illustration). Sie lebt in Berlin und arbeitet derzeit an einer Comic-Kurzgeschichte sowie an ihrem nächsten Buch Nachtwinkel.

21.30 Uhr
Kriegszeiten und Weiße Wölfe
David Schraven über seine Comic-Reportagen
Mehr als zehn Jahre Krieg in Afghanistan haben nicht nur die deutsche Außenpolitik verändert, sondern auch die Bundeswehr. In jahrelangen Recherchen versuchte David Schraven ein Bild dessen zu bekommen, was wirklich in Afghanistan passierte: Gemeinsam mit dem Zeichner Vincent Burmeister entstand Kriegszeiten – Eine grafische Reportage über Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan. Darüber hinaus stellt er seine neueste Comic-Reportage Weiße Wölfevor, die den Rechtsextremismus in Europa thematisiert.
David Schraven (Jg.1970) ist seit Jahren Journalist. Er leitet das Ressort Recherche der WAZ-Mediengruppe in Essen. Schraven lebt in Bottrop.

Freitag, 16. Januar 2015

19 Uhr
Gezeichnete Bekenntnisse
Andreas C. Knigge über autobiografisches Erzählen im Comic
Mit dem Aufkommen der Graphic Novel erzählen Zeichner vermehrt auch von sich selbst, vom eigenen Erleben und von den Tücken des Alltags. Dabei wirkt die selbstbiografische Comic-Erzählung oft sehr viel unmittelbarer und intimer als der Film oder Roman. Der Vortrag zeigt auf, warum Comics lange als Unterhaltungs-Fast-Food allein für Kids verkannt wurden, wie Robert Crumb, Will Eisner oder Art Spiegelman die Grundsteine legten für ein authentisches Erzählen im Comic und wie sich das Genre seitdem entwickelt hat.
Andreas C. Knigge (Jg. 1957) ist Publizist, Lektor, Übersetzer und Literaturagent. 1974 war er Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift Comixeneund später Cheflektor bei Carlsen. Er hat mehrere Bücher über Comics und zuletzt Biografien über Charles M. Schulz und Hansrudi Wäscher geschrieben.

20 Uhr: Pause

20.30 Uhr
Im Himmel ist Jahrmarkt
Birgit Weyhe liest
Basierend auf Briefen, Gesprächen und Fotografien erzählt Birgit Weyhe in ihrer Graphic Novel Im Himmel ist Jahrmarktaus dem Leben ihrer Großeltern. Wie Puzzleteile fügt die Autorin das fragmentarische Wissen über ihre Vorfahren zusammen und entdeckt dabei persönliche Dramen um heimliche Abtreibung, unterdrückte Homosexualität, Verrat und Schuld.
Birgit Weyhe wurde 1969 in München geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Ostafrika. Sie studierte Germanistik, Geschichte und von 2002 bis 2009 Illustration an der HAW Hamburg. Den europäischen Comicavantgarde-Stil verbindet sie mit afrikanischer Formensprache. Gewinnerin des Comicbuchpreises 2015 der Berthold Leibinger Stiftung.

21.30 Uhr
Vita Obscura
Simon Schwartz über seine Comic-Biografien
Simon Schwartz bezieht sich mit seinen Comic-Biografien auf die frühen amerikanischen Sonntagsbeilagen. In jeder Folge von Vita Obscura widmet sich Schwartz einer unbekannten, exzentrischen, aber doch wahren Biografie. Dabei erfindet er die Comicreihe immer wieder neu, sei es als Collage, Kohlezeichnung oder Relief.
Simon Schwartz wurde 1982 in Erfurt geboren. Von 2004 bis 2009 studierte er Illustration an der HAW Hamburg. Sein Comic Drübenwurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert. Seine Graphic Novel Packeiswurde mit dem Max-und-Moritz-Preis 2012 als bester deutscher Comic ausgezeichnet.

Samstag, 17. Januar 20015

19 Uhr
Hotel Hades
Comic-Lesung mit Katharina Greve
Als Martha, Florian und Peter vor einer Imbissbude erschossen werden, erkennen sie: Sie sind tot - aber damit müssen sie jetzt leben. Denn schon schippern sie in ein antikes Totenreich, das zu einer bürokratischen Mega-City angewachsen ist. Doch ob sie in Qualen büßen oder stumpf dahindämmern müssen, lässt sich noch ändern: Wem gelingt eine Karriere am Wurstkatapult? Wer konnte sich zu Lebzeiten mit einem VIP-Ticket ins paradiesische Elysion einkaufen? Was singt der Chor dazu?
Katharina Greve wurde 1972 in Hamburg geboren. Seit dem Architekturstudium lebt sie als Cartoonistin, Comic-Zeichnerin, Autorin und Künstlerin in Berlin. Preise u.a. Deutscher Cartoonpreis (2010) und Sondermann Förderpreis für Komische Kunst (2013).

20 Uhr: Pause

20.30 Uhr
Wo soll das alles enden?
Eine Ära der deutsche Comic-Geschichte: Gerhard Seyfried im Gespräch
In den 70er- und 80er Jahren hat es wohl kaum eine Wohngemeinschaft gegeben, in der nicht Gerhard Seyfrieds Comics herumlagen oder seine Plakate an die Wand gepinnt waren. Mit Wo soll das alles enden, Invasion aus dem Alltagoder Future Subjunkies(gemeinsam mit Ziska) hat Seyfried deutsche Comic-Geschichte geschrieben. Im Gespräch mit Hendrik Dorgathen (Kunsthochschule Kassel) und Andreas Gebhardt (Literaturbüro Nordhessen) wird eine Ära wieder lebendig.
Gerhard Seyfried wurde 1948 in München geboren, wo er Malerei und Grafik studierte. Seit 1971 ist er freischaffender Karikaturist, seit 1976 lebt er in Berlin, das seither den Hintergrund seiner Comics und Cartoons bildet. In San Francisco arbeitete er mit Gilbert Shelton und Paul Mavrides, den Zeichnern der Fabulous Furry Freak Brothers, zusammen. 1990 erhielt er den Max und Moritz-Preis als „Bester deutschsprachiger Comic-Zeichner“.

Sonntag, 18. Januar2015

11.30 Uhr
Ohne Comics keine Filme
Daniel Stieglitz über Storyboard und Film
Jedem Film liegt ein Comic zugrunde: Das Storyboard als gezeichnete Version des Drehbuchs. Der Drehbuchtext wird im Storyboard erstmals in skizzenhaften Bildern unter Berücksichtigung filmischer Gestaltungsaspekte umgesetzt. Daniel Stieglitz zeichnet Storyboards für Werbespots, Kurz- und Spielfilme. Er wirkte u.a. an dem Oscar-nominierten Kinofilm Der Baader-Meinhof-Komplex . In seinem Vortrag zeigt Stieglitz die Zusammenhänge von Storyboard und Film an eigenen Beispielen auf.
Daniel Stieglitz wurde 1980 in Cham (Bayern) geboren. Von 2000 bis 2008 studierte er Animation, Illustration und Film an der Kunsthochschule Kassel. Stieglitz lebt und arbeitet als Regisseur, Autor und Illustrator in Kassel.

13 bis 17 Uhr
Papier Café ‑ Comics, Artzines, Künstlerbücher made in Kassel

Zum Abschluss des Festivals verwandelt sich der Kunsttempel in einen Verkaufsraum mit Café: Das Papier Café bietet Studierenden der Kunsthochschule die Möglichkeit, unabhängig von Verlagen Eigenpublikationen wie Comics, Artzines, Künstlerbücher, Essays usw. auszutauschen, anzuschauen und zu verkaufen. Und damit man sich gemütlich zum Lesen, Blättern und Plaudern niederlassen kann, gibt es Kaffee, Tee und kleine Leckereien!
Organisiert wird das Papier Café von Carmen José und Kathi Seemann, zwei Studentinnen aus dem Fachbereich Visuelle Kommunikation der Kunsthochschule. Um 13 Uhr stellen sie zunächst ihr Konzept und einige Künstlerinnen und Künstler im Gespräch vor.

Veranstalter
Literaturhaus Nordhessen e. V.

Veranstaltungsort
Literaturbüro im Kunsttempel,
Friedrich-Ebert-Straße 177
34119 Kassel

Konzept und Organisation
Dr. Andreas Gebhardt
Christiane Hamacher
Kontakt
Literaturbüro Nordhessen
Dr. Andreas Gebhardt
Tel.: 0561-31690525
E-Mail: info@literaturbuero-nordhessen.de
Web: www.festival-geks.de 
www.literaturbuero-nordhessen.de

Kooperationspartner
Institut für Germanistik der Universität Kassel
Kunsthochschule Kassel

Eintritt
Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei. 
Spenden sind willkommen

Förderer
Kulturamt der Stadt Kassel
Gerhard-Fieseler-Stiftung
Berthold Leibinger Stiftung
Presseclub Kassel
Weinhandlung Schluckspecht

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